Der
Volksmund sagt „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Auge um Auge – Zahn um Zahn“
und gaukelt uns damit vor, dass wir Menschen angemessen auf die Handlungen
Anderer reagieren. Wenn wir aber das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu
werden, neigen viele Menschen dazu, es nicht nur in „gleicher Münze“ sondern
eher doppelt zurück zu zahlen:
Im
Rahmen von sog. Diktator-Spielen bildeten die Forscher um Boasz Keysar an der
University of Chicago zwei Gruppen. In der ersten Gruppe hatte der “Diktator“ $
100,--, die er nach Belieben mit einem zweiten Spieler teilen sollte. In der
zweiten Gruppe dagegen bekam ein Spieler ebenfalls $ 100,-- und der „Diktator“
durfte diesem Spieler Geld wegnehmen. Anschließend beurteilten die Spieler die
„Großzügigkeit“ des Diktators - mit verblüffenden Ergebnissen:
·
Diktatoren,
die ihren Mitspielern $ 50,-- abgaben, wurden als deutlich großzügiger
wahrgenommen als Diktatoren, die ihren Mitspielern (nur) $ 30,-- wegnahmen.
·
Dabei
ist es den „nehmenden Diktatoren“ i.d.R. nicht bewusst, dass sie von ihren
Mitspielern als gierig wahrgenommen werden, da sie ja objektiv $ 20,-- weniger
eingestrichen haben als die Diktatoren in der „Geber-Gruppe“.
·
Als
dann im weiteren Spielverlauf die Rollen getauscht wurden, stellten die
Forscher in der „Nehmer-Gruppe“ eine
kontinuierliche Abwärtsspirale fest – mit jedem Rollenwechsel wurde der Betrag,
den der jeweilige Diktator nahm, höher.
Offenbar
ist für unser Gerechtigkeitsempfinden also nicht so sehr ein absoluter
Wert/Betrag, sondern eher unsere individuelle Erwartung ausschlaggebend.
Erhalten wir mehr als erwartet, sind wir zufrieden – erhalten wir weniger, sind
wir unzufrieden. Wenn wir das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden,
neigen wir dazu, es „dem anderen“ heimzuzahlen und ihn schlechter zu behandeln,
als er uns behandelt hat.
Fazit:
Wir Menschen sind zwar vernunftbegabt, aber wir verhalten uns nicht immer
vernünftig.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen